Genetische Vielfalt beim Irish Wolfhound
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"Wissen ist Macht!"

Irish-Wolfhound-Ausstellungen finden auf der ganzen Welt statt. Sie sind vielleicht nicht zu 100% repräsentativ, bieten aber trotzdem eine interessante Sicht auf diejenigen Zuchttiere, die zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten Region leben. Daher bieten Ausstellungskataloge sich als praktische Quelle für Pedigree-Analysen an.

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1. Hintergrund
2. Das Problem
3. Wissen ist Macht!
4. Methoden und Analysen
5. Als Züchter den Flaschenhals vermeiden
6. Zu vermeidende Verpaarungen
7. Listen nicht vom Flaschenhals betroffener Irish Wolfhounds
     7.1 Weltweit 
     7.2 Nordamerika
     7.3 Kontinentaleuropa
     7.4 Irland und Vereinigtes Königreich
     7.5 Australien und Ozeanien 
8. Vergleiche und Trends
     8.1 IWCA 2006, 2014 und 2015
     8.2 IWCI und IWCA 2015 sowie EIWC 2014
     8.3 Ausstellungen in Kontinentaleuropa 

Hintergrund [nach oben]

Wie in einem früheren Artikel erklärt wird, den ich zusammen mit Steve LeVan verfasst habe, ist der Irish Wolfhound als Rasse zur Zeit von einem genetischen Flaschenhals bedroht, also einem Szenario, in dem eine bestimmte Gruppe von Vorfahren in derart vielen Stammbäumen auftaucht, dass sie die Verfügbarkeit von Alternativen bedrohlich vermindert. Dadurch wird nicht nur die züchterische Freiheit eingeschränkt, mit anderen Linien zu züchten, sondern auch die genetische Vielfalt der Rasse bedroht – mit den bekannten negativen Folgen der damit verbundenen genetischen Verarmung.

Der drohende Flaschenhals beim Irish Wolfhound kann in verschiedenen Formen auftreten. In seinem Zentrum liegt der 1992 geborene belgische Rüde Quincy of Kilmara: Er und seine unmittelbaren Verwandten sind in den heutigen Stammbäumen derart weit verbreitet, dass wenig Zweifel besteht, dass diese Hunde in vorhersehbarer Zukunft in allen Irish-Wolfhound-Stammbäumen vertreten sein werden, falls keine züchterischen Gegenmassnahmen ergriffen werden.
Pedigree-Diagramm von Quincy of Kilmara (links) bis zurück zu Captain Grahams Hunden (rechts)

Neben Quincy of Kilmara, der ein weltweites Flaschenhals-Risiko darstellt, bestehen auch andere Aspekte des Flaschenhalses durch die Nachkommen seiner Vollgeschwister. Am weitesten verbreitet ist dabei Quincys Bruder Shadow of Kilmara, der aus Belgien nach England exportiert wurde und daher heute am stärksten in britischen und irischen Pedigrees vertreten ist. Ausserdem sind seine beiden Schwestern Quarisma of Kilmara und Sixpence of Kilmara in dieser Hinsicht relevant: Quarisma primär in Nordamerika; Sixpence primär in Skandinavien sowie seit einiger Zeit auch an der Amerikanischen Westküste.

Quincys Mutter Miss Marple from the Good Heath hatte keine Würfe von anderen Rüden, so dass von ihr kein unabhängiges Flaschenhals-Risiko ausgeht. Im Gegensatz dazu wurde Quincys Vater Nasch from the Good Heath auch mit anderen Hündinnen verpaart, so dass er auch ausserhalb der beschriebenen Geschwister als Vorfahr auftreten kann. Er sollte daher als eigenständiger Teil der Problematik betrachtet werden.

Das Problem [nach oben]

Durch die Tatsache, dass die oben erwähnten Hunde heute zwischen fünf und zehn Generationen in der Vergangenheit liegen, tauchen sie häufig gar nicht mehr in normalen Stammbäumen auf. Manche neueren Züchter wissen nicht einmal notwendigerweise, dass das Problem überhaupt existiert – und für diejenigen, die es wissen, wird es immer schwieriger, die heutigen Pedigrees unter diesem Aspekt auszuwerten und vom Flaschenhals nicht betroffene Irish Wolfhounds zu finden.

Wissen ist Macht! [nach oben]

In den letzten Jahren bin ich immer wieder von Züchtern angesprochen worden, die sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft der Rasse machen und versuchen, nachhaltig ausserhalb des Flaschenhalses zu züchten. Diese Züchter sind oft frustriert darüber, wie schwer es für sie ist, in der heutigen Zuchtpopulation überhaupt noch entsprechende potentielle Zuchttiere zu finden. Viele von ihnen haben unabhängig voneinander bemerkt, dass eine Liste mit Hunden, die nicht vom Flaschenhals betroffen sind, für sie sehr wertvoll wäre.

Wie überall ist Wissen auch hier Macht. Der Zweck der vorliegenden Webseite ist es, Informationen zu Flaschenhals-freien Irish Wolfhounds zu sammeln und diese öffentlich zugänglich zu machen – dies als Hilfe für Züchter, die ihre Linien langfristig frei von Flaschenhals-Hunden und dem damit verbundenen Verlust an genetischer Vielfalt erhalten möchten.

Methoden und Analysen [nach oben]

Die auf dieser Seite publizierten Daten basieren auf der Analyse einer Pedigree-Datenbank, mit deren Hilfe ich den modernen Irish Wolfhound bis zu Captain Grahams Zeiten zurückverfolgen kann und die ich in der Vergangenheit mehrfach als Basis für wissenschaftliche Publikationen verwendet habe (Beispiel). Vor diesem Hintergrund kann ich an modernen Ausstellungen gemeldete Hunde anhand des Ausstellungskatalogs genügend weit zurückverfolgen, um zu analysieren, welche der für den Flaschenhals relevanten Vorfahren in ihrem Stammbaum vorhanden sind. Auf dieser Grundlage erstelle ich für jede Ausstellung eine Liste mit Hunden, die nicht vom Flaschenhals betroffen sind. Dazu benutze ich fünf Kategorien:

Beispiel: Analyse der nicht vom Flaschenhals betroffenen Hunde an der IWCA National Specialty in den USA 2015, unterteilt nach verschiedenen Aspekten des Flaschenhalses.

Als Züchter den Flaschenhals vermeiden [nach oben]

Aus züchterischer Sicht sollte man beachten, dass der Flaschenhals mit einer Verpaarung eines betroffenen mit einem nicht betroffenen Wolfhound leider nicht umgangen wird, da die Welpen aus einer solchen Verpaarung ebenfalls vom Flaschenhals betroffen sind. Die einzige Zuchtmethode, mit der ein Züchter den Flaschenhals vermeiden kann, ist die Verpaarung zweier Flaschenhals-freier Hunde.

Allerdings sollten sich auch Züchter mit vom Flaschenhals betroffenen Zuchttieren fragen, ob es nicht mit ihrem Zuchtprogramm zu vereinbaren wäre, einen nicht vom Flaschenhals betroffenen Zuchthund anzuschaffen und mit diesem auf nachhaltige Weise zu züchten. Auch sie könnten so einen wertvollen Beitrag zur genetischen Vielfalt des Irish Wolfhounds als Rasse leisten.

Zu vermeidende Verpaarungen [nach oben]

Für die genetische Vielfalt des Irish Wolfhound...
ist die Verpaarung von... mit... wie folgt:
Flaschenhals-Rüde/Sperma Flaschenhals-Hündin relativ neutral.
Flaschenhals-Rüde/Sperma Flaschenhals-freie Hündin sehr negativ.
Flaschenhals-freier Rüde Flaschenhals-Hündin leicht negativ.
Flaschenhals-freier Rüde Flaschenhals-freie Hündin positiv.
Flaschenhals-freies Sperma Flaschenhals-Hündin sehr negativ.
Flaschenhals-freies Sperma Flaschenhals-freie Hündin positiv.
Übersicht der Effekte verschiedener Zuchtszenarien auf die genetische Vielfalt des Irish Wolfhound als Rasse.

Bedenken wir dabei auch, dass die Fruchtbarkeit einer Hündin wesentlich beschränkter ist als diejenige eines Rüden. Daraus wird klar, dass die Verpaarung einer Flaschenhals-freien Hündin mit einem Flaschenhals-Rüden aus genetischer Sicht so ziemlich das Schlimmste ist, was ein Züchter tun kann: Er verschwendet dadurch ihr wertvolles Potential für die Zucht, indem er aus einem ihrer wenigen Würfe Flaschenhals-Welpen erhält, wo er Flaschenhals-freie hätte haben können. Verwendet er Gefriersperma eines toten Flaschenhals-freien Rüden mit einer Flaschenhals-Hündin, so handelt er aus genetischer Sicht nicht besser: Auch das Sperma toter Rüden ist eine endliche Ressource, die aus Sicht der genetischen Vielfalt auf diese Weise verschwendet wird.

Für einen Wurf benötigt man aber immer zwei Hunde, und so gehört es auch zur ethischen Verantwortung des Halters eines vom Flaschenhals betroffenen Zuchtrüden, dass er seinen Rüden nicht auf Flaschenhals-freie Hündinnen setzt. Dasselbe gilt natürlich auch für die Besitzer von nicht vom Flaschenhals betroffenem Gefriersperma.

Im Gegensatz dazu ist es nicht grundsätzlich verschwenderisch, einen Flaschenhals-freien lebenden Rüden auf eine Flaschenhals-Hündin zu setzen: Dies darum, weil die Fruchtbarkeit eines lebenden Rüden bei weitem weniger beschränkt ist als diejenige einer Hündin und ein solcher Wurf die Verfügbarkeit des Rüden für nicht dem Flaschenhals unterliegende Hündinnen nicht grundsätzlich einschränkt.

Trotzdem sollten wir bedenken, dass eine solche Verpaarung und auch die Verpaarung zweier vom Flaschenhals betroffenen Hunde für die Rasse als Ganzes als ein zumindest leichter Nachteil angesehen werden muss. Beide dieser Szenarien produzieren weitere Flaschenhals-Hunde, und an solchen herrscht im Gegensatz zu Flaschenhals-freien Hunden im Moment kein Mangel. Der Anteil der Flaschenhals-freien Hunde an der Gesamtpopulation kann durch solche Verpaarungen also weiter vermindert werden.

Listen nicht vom Flaschenhals betroffener Irish Wolfhounds [nach oben]

Vor diesem Hintergrund kommen wir nun zu den Listen mit gemäss der obigen Definitionen nicht von unserem drohenden Flaschenhals betroffenen Irish Wolfhounds. Die einzelnen Links führen auf eine Unterseite für die jeweilige Ausstellung, auf der die entsprechenden Listen mit den Namen dieser Hunde verlinkt sind.

Weltweit [nach oben]

Weltweit im Jahr 2016 ausgestellte Irish Wolfhounds

Nordamerika [nach oben]

Kontinentaleuropa [nach oben]

Irland und Vereinigtes Königreich [nach oben]

Australien und Ozeanien [nach oben]

Vergleiche und Trends [nach oben]

Die vorliegenden Daten bieten sich natürlich für Vergleiche zwischen verschiedenen Regionen und verschiedenen Jahren an. Auf diese Weise können wir nachverfolgen, wie sich der Flaschenhals innerhalb der Rasse ausgebreitet hat und immer noch ausbreitet und welche Regionen wie schwerwiegend von ihm betroffen sind.

IWCA 2006, 2014 und 2015 [nach oben]

Vergleich der IWCA National Specialty (USA) über einen Zeitraum von 10 Jahren. Aus dieser Grafik wird klar ersichtlich, wie der Prozentsatz der nicht vom Flaschenhals betroffenen Hunde mit der Zeit abgenommen hat. Diese Entwicklung ist die Folge von  Zuchtentscheiden, die die genetische Vielfalt der Rasse nicht angemessen berücksichtigen.

IWCI und IWCA 2015 sowie EIWC 2014 [nach oben]

Vergleich zwischen modernen Club Shows in Irland, Nordamerika und Kontinentaleuropa. Hier wird ersichtlich, dass Kontinentaleuropa am stärksten vom Flaschenhals betroffen ist und Irland am wenigsten. Eine Ausnahme davon bildet Shadow of Kilmara, der in Irland (und GB) weiter verbreitet ist als anderswo.

Der Unterschied zwischen non-Quincy und non-Shadow im Vergleich zu non-Quincy und allen Geschwistern ist in Nordamerika und Kontinentaleuropa stärker ausgeprägt als in Irland. Dieser Umstand ergibt sich jeweils aus dem Einfluss von Quarisma und Sixpence of Kilmara auf diesen beiden Kontinenten.

Ausstellungen in Kontinentaleuropa [nach oben]

Vergleich zwischen Club Shows in Kontinentaleuropa, der zeigt, dass zwischen europäischen Regionen Unterschiede im Anteil der Flaschenhals-Hunde an der Gesamtpopulation bestehen können. Die Schweizer Club Show weist einen wesentlich höheren Anteil an nicht vom Flaschenhals betroffenen Hunden auf als vergleichbare Ausstellungen in anderen Ländern.

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Last Update:  6 Aug 2017